Team 3

Präventives PKW-Insassenschutzsystem

Beschreibung der Institute und Unternehmen zu ihren nominierten Projekten

Die Innovation
Eine Katze fällt von einem Ast. Reflexartig dreht sie sich noch im Fall von der Rückenlage in Bauchlage, krümmt die Wirbelsäule und streckt ihre Beine aus, um sich bestmöglich für den bevorstehenden Aufprall auf den Boden vorzubereiten. Mit Preventive Safety, kurz PRE-SAFE, wird dieser natürlicher Schutzmechanismus - der Reflex - auf das Automobil übertragen: PRE-SAFE vernetzt erstmalig die beiden klassischen Bereiche der Fahrzeugsicherheit, Unfallvermeidung und Unfallfolgenminimierung (Aktive und Passive Sicherheit), um Fahrzeuginsassen bereits vor einem möglichen Unfall auf diesen vorzubereiten und ihnen so erhöhtes Schutzpotenzial zu bieten. Bei Erkennen eines kritischen Fahrzustands wechselt das Fahrzeug präventiv von einem Komfort-Modus in einen Safety-Modus, durch z.B. reversible Gurtstraffung, Sitzkonditionierung und Schiebedachschließung.

Ausgangslage
Moderne Fahrzeuge bieten im Falle eines Unfalls bereits ein sehr hohes Schutzpotenzial für die Insassen: Formstabile Fahrgastzellen, definierter Energieabbau in den Knautschzonen, hochentwickelte Rückhaltesysteme mit zahlreichen Airbags etc. tragen hierzu bei. Immer deutlicher wir jedoch erkennbar, dass mit konventionellen Maßnahmen am Fahrzeug die Passive Sicherheit von Personenwagen auch unter hohem Aufwand nur noch in kleinen Schritten verbessert werden kann, denn heutige passive Schutzsysteme reagieren erst, wenn das Unfallereignis bereits eintritt. Warum also nicht bereits die wertvolle Zeit vor einem möglichen Aufprall nutzen, um präventive Schutzmaßnahmen einzuleiten?

Integrierte Fahrzeugsicherheit
Die bisher noch weitestgehend ungenutzte Phase im realen Unfallgeschehen ist der Zeitraum zwischen der Erkennung eines erhöhten Unfallrisikos bis zum tatsächlichen Aufprall. Die DaimlerChrysler Unfallforschung zeigt, dass 2/3 aller Unfälle ein fahrkritisches Ereignis vorausgeht. Auf Basis dieser Erkenntnis wurde ein neuer, gesamtheitlicher Sicherheitsansatz formuliert, das „Mercedes-Benz Integrierte Sicherheitskonzept“. Aktive und Passive Sicherheit werden darin nicht mehr wie bisher getrennt voneinander betrachtet, sondern miteinander verknüpft.

Prinzip
Für den Insassenschutz ergeben sich daraus völlig neue Möglichkeiten. So können bereits während einer kritischen Fahrsituation präventive Maßnahmen ergriffen werden, um die Insassen im Falle eines Unfalls besser zu schützen. Wesentlicher Vorteil dabei ist ein Zeitgewinn, der es erlaubt, Schutzmaßnahmen u. a. sehr viel sanfter und situationsangepasster zu aktivieren als dies heute möglich ist. PRE-SAFE-Systeme sind zu heutigen Schutzsystemen ergänzende Systeme. Sie haben insbesondere das Potenzial, bei den häufig vorkommenden niedrigeren und mittleren Unfallschweren zu einer deutlichen Reduzierung des Verletzungsrisikos beizutragen. Möglich wird dies durch den Einsatz reversibler Schutzsysteme, die sich beim Ausbleiben eines Unfalls selbsttätig zurückstellen, bzw. sich wieder in ihre Ausgangssituation zurückstellen lassen.

Einsatz
Der ersten Serieneinsatz von PRE-SAFE erfolgte mit Einführung der modell- gepflegten Mercedes-Benz S-Klasse im Oktober 2002. Wenn eine Notbremsung oder eine fahrdynamisch kritische Situation, wie Über- bzw. Untersteuern erkannt wird, werden verschiedene Aktoren angesteuert: Die Sicherheitsgurte werden bereits vor dem möglichen Aufprall gestrafft, wodurch die vorderen Fahrzeuginsassen in einer Position verbleiben, in der die Airbags ihre optimale Schutzwirkung entfalten können. Des Weiteren werden die Sitze der Mitfahrer präventiv in eine „Safety Position“ verstellt, falls sie in einer der Insassensicherheit abträglichen Position eingestellt sind. Ferner wird bei Über- bzw. Untersteuern zusätzlich das Schiebedach vorbeugend geschlossen, um für einen möglicherweise folgenden Überschlag erhöhten Insassenschutz zur Verfügung zu stellen.

Ausblick
Der Übergangsbereich zwischen Aktiver und Passiver Sicherheit eröffnet ein neues Gebiet der Fahrzeugsicherheit mit großem Potenzial. Die derzeit realisierten Umfänge von PRE-SAFE stellen dabei nur einen ersten Ausschnitt aus den denkbaren Möglichkeiten dar. In künftigen Ausprägungen können z.B. automatische Schließung der Seitenscheiben, Aktivierung von Kopfstützen oder verfahrbare Schutzpolster zur Umsetzung kommen. Mit zunehmender Präzision und Vorhersagegenauigkeit der Sensorik in PKWs wird sich PRE-SAFE zunehmend in Richtung einer direkten Erkennung bevorstehender Kollisionen entwickeln. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, auch nicht reversible Sicherheitssysteme wie z.B. Airbags deutlich langsamer und für die Insassen schonender zu aktivieren.

Informationen und Kontakt zum Deutschen Zukunftspreis unter:
E-Mail: info@deutscher-zukunftspreis.de
Internet: www.deutscher-zukunftspreis.de


Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt „Präventives PKW-Insassenschutzsystem“ wurde von der Stiftung Werner-von-Siemens-Ring vorgeschlagen.