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Botschaften von Herzen – Schrittmacher sendet E-Mail an Arzt

Beschreibung der Institute und Unternehmen zu ihren nominierten Projekten

Automatische Fernüberwachung von Patienten mit Rhythmusstörung
Mobilfunk und Internet haben unser aller Leben verändert - für chronisch Kranke aber besitzen sie ein ganz spezielles Potenzial. Home Monitoring stellt diese Technologien in den Dienst der Kardiologie: Durch automatische, drahtlose Fernüberwachung behält der Arzt seine Patienten jederzeit im Blick, auch nachdem sie die Klinik längst verlassen haben. Patienten mit Herzrhythmusstörungen, die einen Schrittmacher oder Implantierbaren Defibrillator (ICD) tragen, erhalten so eine erheblich bessere medizinische Betreuung, mehr Sicherheit und Lebensqualität.

Ein Herzschrittmacher mit Home Monitoring sendet täglich gesundheitliche und technische Daten. Durch diese lückenlose Information kann der behandelnde Arzt den Verlauf der Therapie überwachen. Er sieht, ob das Implantat auch über längere Zeit optimal auf die Herzsignale reagiert und ob die Medikation effektiv ist. Entstehende gesundheitliche Risiken kann er früher als in konventioneller Betreuung entdecken – und bei Bedarf den Patienten zu sich bestellen, um die Therapie zu korrigieren.

Weltweit funktioniert das System ohne Mithilfe des Patienten
Als Pionier der Telekardiologie hat BIOTRONIK diese zukunftsweisende Diagnoseform frühzeitig entwickelt und wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt. Dabei konnte das Unternehmen auf jahrzehntelange Erfahrungen mit der Erforschung und Produktion von Herzschrittmachern und ICDs zurückgreifen. Das internetbasierte Home Monitoring wurde so gestaltet, dass der Patient die Übertragung nicht selbst initiieren muss. Automatische Datenübermittlung ist somit ein signifikantes technologisches Merkmal – und eine wichtige Voraussetzung für die sichere Anwendung in der medizinischen Betreuung. Die Technologie ist bereits in 55 Ländern im Einsatz, rund 200.000 Geräte mit BIOTRONIK Home Monitoring® sind bisher implantiert worden, mehr als 3.500 Kliniken nutzen aktiv die Fernüberwachung.

Antenne, mobiles Patientengerät und Internet: die Informationskette
Per Mobilfunk übertragen die aktiven Implantate (Schrittmacher, ICDs und Herzinsuffizienz-Therapiesysteme) kardiale sowie technische Daten. Eine Antenne im Implantat und ein mobiles Patientengerät machen dies möglich.

Die Antenne wurde in den so genannten Header des Implantats integriert, den physiologisch geformten „Kopf“, der auch die Elektrodenanschlüsse aufnimmt. Sie überträgt alle wichtigen Informationen in der Regel einmal täglich an den CardioMessenger®, ein schnurloses externes Patientengerät.

Der CardioMessenger® kann z.B. auf dem Nachttisch platziert werden, in seiner kleineren, handyähnlichen Ausführung kann man ihn auch bequem am Gürtel oder in der Handtasche mitführen. In jedem Fall überträgt der CardoMesserger® die relevanten Daten über das weltweit verfügbare Mobilfunknetz von T-Mobile an ein Service Center. Hier decodiert, analysiert und speichert das mit IBM-Technologie ausgestattete Rechenzentrum mit BIOTRONIK Software die gesendeten Daten vollständig automatisch.

Über einen geschützten Internetzugang kann der behandelnde Arzt an jedem Ort der Welt den Therapieverlauf seiner Patienten kontrollieren. Selbstverständlich bleibt die Interpretation aller Daten dem Arzt vorbehalten. Die gesicherte Website verdeutlicht jedoch in komprimierter, übersichtlicher Form sowohl die langfristigen Trends als auch besondere kardiale Ereignisse oder Veränderungen, wie z. B. eine Verschlechterung der Herzleistung. Patienten, bei denen zeitnah eine Aktion bzw. Programmanpassung notwendig ist, werden auf der Website markiert, ein Ampelsystem macht die Dringlichkeit der Fälle deutlich. Bei besonderen Auffälligkeiten erhält er zusätzlich E-Mails, SMS-Nachrichten oder Faxe.

Home Monitoring ist nicht mit einem Notfall- oder Rettungssystem zu verwechseln. Zwar werden gesundheits- und therapierelevante Veränderungen überwacht, ein unterbrechungsfreier Datentransfer über das Mobilfunknetz kann jedoch nicht gewährleistet werden. Bei Beschwerden und im Notfall muss der Patient also über die bekannten Notfallnummern einen Arzt herbeirufen.

Volle Sprechstunden, schlummernde Risiken: Ausgangsüberlegung und Ziel der Innovation
In älter werdenden Gesellschaften mit hohem medizintechnischem Versorgungsgrad wird das Leben mit einem Schrittmacher oder ICD für immer mehr Menschen Realität. Derzeit erhalten mehr als eine Million Patienten in aller Welt jährlich einen Herzschrittmacher, einen ICD oder ein System zur Herzinsuffizienztherapie. Aktive Implantate regulieren den Herzrhythmus durch die Abgabe elektrischer Signale. Auf diese Weise gleichen sie langwierige, nicht selten bedrohliche Rhythmusstörungen aus. Die Lebensqualität der Patienten wird erheblich verbessert, auch wenn die Ursache der Rhythmusstörung bestehen bleibt.

Über den Zustand der betroffenen Patienten erhält der Arzt normalerweise nur dann Informationen, wenn sie zu ihm in die Praxis oder die Klinik kommen - z. B., wenn sich ihr Befinden merklich verschlechtert hat oder eine der festgelegten Routine-Untersuchungen (2 – 4 x jährlich) ansteht. Erst dann werden die gespeicherten Daten aus dem Implantat ausgelesen, erst dann erkennt der Kardiologe etwaige Veränderungen im EKG, Verschlechterungen des kardiologischen Status, Krankheitsrisiken oder technische Defekte.

In der konventionellen Betreuung kann es also geschehen, dass sich in der Zeit zwischen zwei Arztbesuchen eine Folgeerkrankung wie das Vorhofflimmern ohne deutliche Symptome, also unbemerkt, entwickelt – und der Kardiologe erst Wochen oder Monate später darauf aufmerksam wird. Bei einer automatischen, kontinuierlichen Fernüberwachung hingegen würde der Arzt eine entsprechende Nachricht erhalten, um in einem angemessenen Zeitraum auf das Risiko reagieren zu können. Hingegen können Routineuntersuchungen, bei denen nichts festgestellt und nichts für den Patienten unternommen wird, künftig reduziert werden.

Studien untersuchen die Vorteile für Patienten, Ärzte und Gesundheitswesen
Vor dem Hintergrund dieser oben genannten Überlegung verfolgte die Innovation mehrere Ziele: Die Fernüberwachung sollte die Qualität der Therapie verbessern, dem Patienten mehr Sicherheit und Mobilität verleihen und zusätzlich eine kosteneffiziente Betreuung gewährleisten.

Mehrere klinische Studien belegen die bisher erreichten Vorteile für Ärzte und Patienten. Zum Beispiel wurde nachgewiesen, dass mit Home Monitoring wesentliche kardiale Ereignisse 2 bis 5 Monate früher entdeckt wurden als bei konventionellen Nachsorgeuntersuchungen. Unerwünschte Komplikationen und Nebenwirkungen konnten aufgedeckt und die Sicherheit der Patienten verbessert werden.(A. Lazarus, AWARE study, PACE 2007, 30: S2–S12.)

Eine weitere Studie zeigte, dass eine Fernüberwachung mit Home Monitoring den Arztbesuch ersetzen kann – und das bei gleicher Sicherheit und Betreuungsqualität für den Patienten. Laut TRUST-Studie können bei Patienten mit Defibrillator (ICD) die Arztkonsultationen um mehr als 43 % reduziert werden. Symptomatische und asymptomatische Rhythmusstörungen wurden mit Home Monitoring schneller erkannt und behandelt.(N. Varma et al., TRUST trial, Circulation 2008, 118, 2309-2317, Abstract 4078)

Die Fernüberwachung mit Home Monitoring kann also nicht nur vielen älteren Patienten unnötige Anfahrten und das Warten in der Sprechstunde ersparen – sie reduziert auch den Aufwand im Gesundheitswesen. Während bei vielen Routinefällen Zeit und Kosten gespart werden, kommen die Ressourcen verstärkt denjenigen Patienten zugute, die dringend eine ärztliche Diagnostik, Beratung und Behandlung benötigen.

Fernabfrage im Schlaf: Was BIOTRONIK Home Monitoring® einzigartig macht
Seit neun Jahren liegen klinische Erfahrungen mit der Technologie vor, die durch Studien gestützt werden. Im Marktvergleich ist BIOTRONIK Home Monitoring® das einzige System mit vollautomatischer, mobiler Datenübertragung. Der Patient selbst muss nicht aktiv werden: Die Daten können zum Beispiel übertragen werden, während er schläft. Durch die automatische Funktionsweise werden potenzielle Fehlbedienungen und Informationslücken ausgeschlossen.

Als technische Innovationen sind u. a. folgende Fakten interessant: Die Integration der Funktechnologie gelang bei gleicher Baugröße des Implantats und mit hoher Energieeffizienz. So verbraucht die Funktion Home Monitoring nur ca. 1 % der Kapazität einer Herzschrittmacherbatterie – und das trotz täglicher Anwendung über Jahre hinweg. Zudem entwickelte das Unternehmen den CardioMessenger®, ein mobiles Patientengerät für die weltweite Mobilfunkübertragung auf GSM-Basis. Die einfache Gestaltung des Gerätes ist auf höchste Zuverlässigkeit gerichtet. Außer der Einschaltfunktion gibt es für den Patienten nichts zu bedienen, Fehler in der Handhabung sind also so gut wie unmöglich.

Die BIOTRONIK Software für die Datenanalyse ist in der Lage, Abweichungen von den Normwerten zuverlässig festzustellen. Nur dadurch wird die digitale Medizin überhaupt handhabbar, denn die persönliche Sichtung aller übertragenen Daten im Detail würde den Arzt und seine Ressourcen hoffnungslos überfordern. Korrespondierend dazu wurde eine Internetplattform bereitgestellt. Hier kann der Arzt die softwareseitig analysierten Daten ansehen. Ein Ampelprinzip kennzeichnet die Patientenberichte nach ihrer Dringlichkeit und unterstützt so den Arzt bei der effizienten Bearbeitung. Sämtliche erforderlichen Technologien - Implantat, Mobilfunk, Internet - sind zu einem weltweit zugelassenen Medizintechnik-System integriert worden, das nun rund um die Uhr verfügbar ist.

Über BIOTRONIK GmbH & Co. KG
Als einer der weltweit führenden Hersteller kardiovaskulärer Medizintechnik mit Millionen implantierter Produkte ist BIOTRONIK mit 4.500 Mitarbeitern in über 100 Ländern präsent. Das Unternehmen wurde vor mehr als 40 Jahren von Prof. Dr. Max Schaldach, dem Erfinder des ersten deutschen Herzschrittmachers, in Berlin gegründet. In der deutschen Hauptstadt befindet sich auch heute die Unternehmenszentrale, mehr als 1.600 Mitarbeiter sind hier in den Bereichen Entwicklung, Fertigung, Marketing, Vertrieb und Verwaltung beschäftigt.

Das Vorschlagsrecht zum Deutschen Zukunftspreis obliegt den führenden deutschen Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Stiftungen.

Das Projekt „Botschaften von Herzen - Schrittmacher sendet E-Mail an Arzt“ wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgeschlagen.