26. September 2001 - Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Vier Forscherteams für die Preisverleihung nominiert

Der Chef des Bundespräsidialamtes, Staatssekretär Rüdiger Frohn, hat heute die vier für den Deutschen Zukunftspreis 2001 nominierten Forscherteams bekannt gegeben. Mit dem Deutschen Zukunftspreis zeichnet der Bundespräsident Einzelpersonen oder ein Team für eine hervorragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Innovation aus. Gesicherte Anwendungsmöglichkeiten, uneingeschränkte Marktfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen waren entscheidende Kriterien für die Auswahl der für die Endausscheidung nominierten Forscherteams.

Bundespräsident Johannes Rau wird den mit 500.000 DM dotierten Deutschen Zukunftspreis - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - in diesem Jahr im neuen Max Delbrück Communications Center in Berlin überreichen. Die Verleihung des jährlich vergebenen Preises findet am 29. November 2001 statt. Mit dem Preis möchte der Bundespräsident die Bedeutung von Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik für die Weiterentwicklung des Landes aufzeigen. Gemeinsam mit anderen privaten oder staatlichen Initiativen schlägt der Deutsche Zukunftspreis eine Brücke zwischen Wissenschaft und Forschung und der Wirtschaft und weckt Neugier, Interesse und Verständnis für technologische Neuerungen. Dabei ist es dem Bundespräsidenten wichtig, nicht nur die wissenschaftlichen Leistungen zu würdigen, sondern auch die Menschen, die diese Leistungen vollbracht haben.

Folgende Projekte wurden für die Preisverleihung nominiert:

Dr. rer. nat. Stephan Aldinger (Sprecher), Dr. med. Steffen Mitzner, Dr. med. Jan Stange
Universität Rostock/TERAKLIN AG Rostock
Künstliche Leber durch Rezirkulation molekularer Adsorber
Mit der Künstlichen Leber (MARS) ist jetzt die Entfernung von wasserunlöslichen Giftstoffen aus dem Blut von Patienten mit lebensbedrohlichem Leberversagen möglich. Das Blut des Patienten wird außerhalb des Körpers durch eine Membran getrennt an einer Reinigungsflüssigkeit vorbeigeführt. In einem zweiten Kreislauf wird die Reinigungsflüssigkeit von den Giftstoffen befreit und kann wieder zur Therapie eingesetzt werden. Die Therapie mit dem MARS-System eröffnet den Kranken nicht nur die Möglichkeit des Überlebens im akuten Fall. Auf Grund der hohen Regenerationsfähigkeit der Leber bieten sich echte Heilungschancen und damit eine verbesserte Lebensqualität für die Patienten.

Prof. Dr. rer. nat. Theodor Hänsch
Max-Planck-Institut für Quantenoptik, Garching
Ultrapräzise Synthese und Messung optischer Frequenzen
Prof. Hänsch entwickelte ein Verfahren für die Messung und Regelung der Frequenz von Licht. Er zeigt, wie ein einziger kompakter, modengekoppelter Femtosekundenlaser gleichzeitig Hunderttausende von scharfen Laserlinien erzeugen kann. Der dabei entstehende Frequenzkamm ermöglicht, die absolute Frequenz jeder einzelnen Linie mit extrem hoher Genauigkeit zu bestimmen. Diese Technik erlaubt nicht nur, die Längeneinheit Meter so zu realisieren, wie sie durch internationale Übereinkunft bereits 1983 definiert wurde. In der Umsetzung eröffnen sich vielversprechende Perspektiven insbesondere im Bereich der optischen Nachrichtentechnik. So können durch eine dichtere Belegung mit Kommunikationskanälen die Übertragungskapazitäten von Glasfaserleitungen erhöht werden.

Prof. Dr. rer. nat. Wolfgang Schlegel (Sprecher), Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Thomas Bortfeld, Priv.-Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Jürgen Peter Debus
Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg
Optimierte intensitätsmodulierte Strahlentherapie
Bei der Strahlentherapie bedarf es einer hohen Strahlendosis, die umliegendes gesundes Gewebe möglichst nicht schädigen soll. Dies war bisher insbesondere bei kompliziert geformten Tumoren oder solchen, die neben empfindlichen Risikoorganen wie z.B. Rückenmark oder Sehnerv liegen, kaum möglich, da alle Bestrahlungsfelder die gleiche Intensität hatten. Mit dem neuen Verfahren wird durch computergesteuerte Strahlenblenden die Intensität innerhalb eines Strahlenfeldes verändert. Mit einem Bestrahlungsplanungsprogramm, das die Intensitätsmodulationen der einzelnen Bestrahlungsfelder errechnet und zu optimaler Dosisverteilung führt, werden Risikoorgane geschützt, während die Dosis für den Tumor so erhöht werden kann, dass sich die Heilungschancen für die Patienten verbessern.

Prof. Dr. rer. nat. Dr. h.c. Wolfgang Wahlster
Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Saarbrücken
Sprachverstehende Computer als Dialog- und Übersetzungsassistenten
Der Gruppe um Prof. Wahlster ist die Entwicklung einer neuen maschinellen Sprachverarbeitungsmethode gelungen. Diese erkennt Spontansprache, analysiert und übersetzt sie. Hörende und sprechende Computer sind keine Fiktion mehr: Nach der inhaltlichen Interpretation des Dialogbeitrages erfolgt eine Sprachgenerierung durch das System. Ausgehend von diesem Projekt wurden inzwischen verschiedene vollständig implementierte Sprachdialogsysteme und rund 20 marktfähige Produkte entwickelt. Die sprachverstehenden Computersysteme sind die Voraussetzung für den weltweiten Zugriff von jedermann auf das gesamte digital gespeicherte Wissen der Welt.

Das ZDF wird die Preisverleihung, die am 29. November wenige Stunden nach der Endauswahl der Jury sattfindet, am 30. November 2001 nach dem „heute-journal“ als Sondersendung ausstrahlen. Klaus-Peter Siegloch wird durch die Veranstaltung führen.

Ausführliche Informationen zu den Projekten und Akkreditierungshinweise für die Preisverleihung erhalten Sie beim Büro des Deutschen Zukunftspreises unter 089-210 961 27 oder im Internet unter
www.deutscher-zukunftspreis.de.