03. Dezember 2002 - Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Bundespräsident Johannes Rau zeichnet hervorragende Innovationen deutscher Wissenschaftler und Techniker aus

Frau Prof. Dr. rer. nat. Maria-Regina Kula (Sprecherin)
Frau Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Martina Pohl
erhalten den Deutschen Zukunftspreis 2002.

Heute Abend wurde im Beisein zahlreicher Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik der mir EUR 250.000 dotierte Deutsche Zukunftspreis 2002 - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - überreicht. Die Veranstaltung fand im Haus der Deutschen Wirtschaft in Berlin statt. ZDF-Moderatorin Susanne Conrad präsentierte in der festlichen Preisverleihung die Projekte der vier nominierten Teams, die in der Endausscheidung waren. Im Gespräch mit den Nominierten wurde deren Werdegang und die weiteren Zielsetzungen ihrer Projekte erörtert.

Anstelle des wegen einer Erkältung verhinderten Bundespräsidenten übergab der Vorsitzende des Kuratoriums des Deutschen Zukunftspreises und Präsident des Stifterverbandes, Dr. Arend Oetker, den Deutschen Zukunftspreises 2002 an: das Team Frau Prof. Dr. rer. nat. Maria-Regina Kula (Sprecherin) und Frau Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Martina Pohl. Die beiden Wissenschaftlerinnen wurden für ihr Projekt „Sanfte Chemie mit biologischen Katalysatoren“ ausgezeichnet.

Das Projekt basiert auf den Arbeiten von Frau Prof. Maria-Regina Kula, ehem. Direktorin des Instituts für Enzymtechnologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Forschungszentrum Jülich. Sie isolierte das Enzym Formiatdehydrogenase (FDH) aus der Hefe Candida boidinii. Das Enzym eignet sich als Hilfsenzym für eine große Anzahl von Enzymen.

Um als Katalysator zu dienen, bedarf es lediglich der Ameisensäure und erzeugt daraus Kohlendioxid. Enzyme benötigen – um die gewünschten chemischen Reaktionen zu erbringen – häufig sog. RedoxKofaktoren. Im lebenden Organismus werden diese Stoffe einfach regeneriert. Isoliert man jedoch ein Enzym für technische Anwendungen, ist der Kofaktorverbrauch ein Problem. Viele Enzyme konnten daher bislang nur sehr eingeschränkt als biologische Katalysatoren genutzt werden. Mit der Innovation von Frau Prof. Kula wird diese Nutzung grundsätzlich möglich. In einem zweiten Schritt konnte das Enzym FDH für den Einsatz in technischen Prozessen stabilisiert werden. Die Stabilisierung wurde unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Martina Pohl durch gentechnische Modifikation erreicht.

Technisch hergestellte Enzyme sind heute unverzichtbare Hilfsmittel bei der Produktion von Medikamenten und in der Lebensmittel-, Papier- und Textilindustrie. Mit den entwickelten Biokatalysatoren ist es möglich, in diesen Bereichen „sanfte Chemie“ einzusetzen. Enzyme als Katalysatoren arbeiten mit Wasser als Lösungsmittel und unter milden Reaktionsbedingungen. Das ist ihr Vorteil gegenüber konventionellen chemischen Verfahren, bei denen mit umweltbelastenden organischen Lösungsmitteln bei höheren Temperaturen gearbeitet wird und mehr Abfallstoffe entstehen.

Der Deutsche Zukunftspreis zeichnet einen Einzelnen oder ein Team für eine hervorragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Innovation aus. Deren gesicherte Umsetzung und Marktfähigkeit, damit verbunden die Schaffung von Arbeitsplätzen, sind notwendige Kriterien für eine Prämierung der Forschungsleistung.

Bundespräsident Johannes Rau möchte mit diesem Preis die besondere Bedeutung von Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik für die Weiterentwicklung des Landes aufzeigen und in der breiten Öffentlichkeit ein Bewusstsein für diese Werte schaffen. Er möchte außerdem mit dem Preis darauf aufmerksam machen, „dass es in allen Bereichen von Forschung und Technik Persönlichkeiten gibt, die durch ihr Schaffen und durch ihre Haltung in besonderem Maße Vorbilder für den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt sind. Diesen Persönlichkeiten und ihren Arbeiten gilt der Deutsche Zukunftspreis.“

Eine Jury unabhängiger Fachleute hatte erst kurz vor der Veranstaltung ihre Entscheidung aus den vier Nominierungen der Endrunde getroffen.

Nominiert zum Deutschen Zukunftspreis 2002 waren weiterhin diese Wissenschaftler und Teams mit ihren Projekten:

Dr. hum. biol. Bernd Ohnesorge (Sprecher), Dr. rer. nat. Thomas Flohr und Dr. rer. nat. Richard Hausmann, Siemens Medical Solutions, Forchheim, entwickelten den „Blick ins Herz - ohne Katheter“,

Prof. Dr.-Ing. Rudolf Schwarte (Sprecher), Dr.-Ing. Bernd Buxbaum und Dipl.-Ing. (BA) Torsten Gollewksi, MBA, PMDTechnologies, Siegen, Audi Electronics Venture GmbH, Ingolstadt, Institut für Nachrichtenverarbeitung (INV) der Universität Siegen mit ihren Arbeiten zu „Kamerapixel mit Tiefgang: Durchbruch zum schnellen 3D-Sehen“ und

Dr.-Ing. Jürgen Trost (Sprecher), Dipl. Inform. Lorenz Schäfers und Dipl.-Ing. (FH) Ingo Scherhaufer mit dem Projekt „Protector – Vorausschauendes Notbremssystem für Nutzfahrzeuge“.

Der Deutsche Zukunftspreis – so Bundespräsident Johannes Rau – soll auch bewirken, dass Wissenschaft und Wirtschaft enger zusammenrücken: „Die Wirtschaft funktioniert heute in weiten Bereichen nicht mehr ohne den immer wieder neuen Input aus der Wissenschaft. Die Wissenschaft ihrerseits kann viel dabei lernen, wenn Erkenntnisse und Entdeckungen weiter entwickelt und in der praktischen Umsetzung getestet werden. Vor allem aber nimmt sich die Wissenschaft heute viel häufiger Problemen an, die in der Praxis auftauchen. Dadurch rückt sie ein Stück näher an die Gesellschaft heran. Wissenschaft und Wirtschaft – diese beiden widersprechen sich nicht, sie gehören in vielen Bereichen zusammen.“

Das ZDF strahlt am 4. Dezember 2002 um 23.00 Uhr eine Sondersendung zur Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2002 aus, PHOENIX zeigt am 6. Dezember 2002 ab 10.00 Uhr eine Aufzeichnung der Preisverleihung.

Weitere Informationen und Material zum Deutschen Zukunftspreis, den Preisträgern und den Nominierten finden Sie im Internet unter:
www.deutscher-zukunftspreis.de.

Außerdem steht Ihnen das Info-Telefon des Deutschen Zukunftspreises unter: 089/21 09 61 27 und die Pressestelle des Bundespräsidialamtes unter: 030/20 00 20 22 für weitere Informationen gerne zur Verfügung.