11. November 2004 - Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Bundespräsident Horst Köhler zeichnet hervorragende deutsche Wissenschaftler und Entwickler aus

Berlin, 11. November 2004 – Bundespräsident Horst Köhler hat am Abend den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis 2004 verliehen.
In Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft erhielt das Siegerteam den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation. Die Jury hatte erst wenige Stunden zuvor den diesjährigen Preisträger aus den vier für die Endauswahl nominierten Teams bestimmt.
Diese Nominierung, betonte der Bundespräsident am Abend, sei bereits eine hohe Anerkennung der Leistung der Forscher und Entwickler, deren Projekte sich in einem harten Auswahlverfahren durchsetzen mussten.
Bundespräsident Köhler unterstrich, dass dieser Preis für die Öffentlichkeit ein Signal der Ermutigung setzen solle: „Unser Land ist reich an wissenschaftlichen Ideen. Das hat dieser Abend gezeigt. Aus guten, spitzenmäßigen Ideen müssen neue Projekte und Produkte werden können. Innovation ist unser wichtigster Rohstoff und entsprechend müssen wir damit umgehen: in der Politik ebenso wie in Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit.“
Die Umsetzung in marktrelevante Produkte, die Arbeitsplätze schaffen, ist eines der wesentlichen Auswahlkriterien für eine Nominierung zum Deutschen Zukunftspreis.
Bundespräsident Horst Köhler hob auch die motivierende Wirkung des Deutschen Zukunftspreises hervor: „Junge Leute sollen in den Preisträgern und Nominierten Vorbilder und Inspiration finden.“ Er bat die Nominierten, intensiv die öffentliche Begegnung mit den Jugendlichen zu suchen.

Die Spannung zum Ende der Veranstaltung, die von ZDF-Moderator Dr. Norbert Lehmann und Gabriele Fischer, Chefredakteurin brand eins, begleitet wurde, war hoch. Kurz nach 21.00 Uhr war es dann so weit, Bundespräsident Horst Köhler öffnete den Umschlag und benannte die Sieger:

Preisträger des Deutschen Zukunftspreises 2004 – Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation – sind:

Dr. rer. nat. habil. Rainer Hintsche (Sprecher des Teams)
Dr. rer. nat. Walter Gumbrecht
Dr.-Ing. Roland Thewes
Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (ISIT), Itzehoe
Siemens AG, Erlangen
Infineon Technologies, München

Sie wurden für ihr Projekt
„Labor auf dem Chip – Elektrische Biochiptechnologie“
ausgezeichnet.

Ein Biochip verbindet aktive Biokomponenten mit Siliziumtechnologie. Mit ihm kann man aus Proben Biomoleküle wie Nukleinsäuren oder Proteine detektieren. Nach dem „Schlüssel-Schloss- Prinzip“ binden auf dem Chip verankerte Biomoleküle – sogenannte Fängermoleküle – zielsicher bestimmte andere Moleküle aus einer Lösung. Damit entsteht ein hochempfindliches Sensorsystem für DNA oder Proteine.
Dr. Hintsche und seinen Partnern ist es gelungen, diese biologischen Erkennungsprozesse direkt über elektrische Signale auf dem Chip auszulesen. Mit dieser Innovation wurde die Basis für miniaturisierte, transportable und zugleich robuste Analysesysteme geschaffen. Preiswerte Labordiagnostik und schnelle Vor-Ort-Analysen zum Beispiel zum Auffinden von Giften sind mit dem „Labor auf dem Chip“ ebenso möglich wie die individuelle Kontrolle von Patientenmesswerten.
Die Technologie der Biochips ist bekannt. Das Auslesen der Ergebnisse erfolgte bisher mit einem Lichtstrahl oder anderen optischphysikalischen Merkmalen und ist technisch aufwendig und kostenintensiv. Dr. Rainer Hintsche vom Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie, Itzehoe, hat in den vergangenen Jahren die wissenschaftlichen und anwendungstechnischen Grundlagen für das Messen der Vorgänge ohne komplizierte Zwischenschritte gelegt. Das Fängermolekül löst, sobald es sein Gegenstück gefunden hat, ein elektrisches Signal aus, das direkt von einer Messelektronik ausgewertet wird.
Dieses Prinzip wurde gemeinsam mit Partnern aus der Industrie, mit Dr. Walter Gumbrecht (Siemens AG) und Dr. Roland Thewes (Infineon AG), weiterentwickelt. Das Ziel war, ökonomisch sinnvolle, in Massentechnologie herstellbare Sensorsysteme zu gestalten, die als miniaturisierte Labors eingesetzt werden können. Die wesentliche Voraussetzung für die Realisierung solcher Sensorsysteme ist die Verbindung von Siliziumchiptechnik und Mikrosystemtechnik. Zum „Labor auf dem Chip“ werden diese Chips allerdings erst durch das Aufbringen von Flüssigkeiten und Reagenzien auf die Sensorflächen. Die Innovation besteht somit aus der Kombination von Siliziumtechnologie, miniaturisierter Fluidik und Biotechnologie, die auch durch die Einführung des Werkstoffes Gold in die Halbleitertechnik vorangebracht wurde.
Das Prinzip der elektrischen Biochips kann zum Beispiel in der Lebensmittelanalytik, in der Pharmazie und in der Agro- und Umweltanalytik genutzt werden. Ein besonderes Potenzial wird in scheckkartengroßen Kontroll- und Diagnoseanwendungen gesehen, die personalisierte Analysen von individuellen Patientenparametern für jedermann erlauben.

Nominiert zum Deutschen Zukunftspreis 2004 waren außerdem:

Dipl.-Ing. Horst Joachim Lindner
Prof. Dr.-Ing. habil. Hans Wilhelm Bergmann
Dipl.-Phys. Robert Queitsch
AUDI AG, Ingolstadt
Universität Bayreuth
ATZ Entwicklungszentrum, Amberg,

die durch Werkstoffmodifikationen, der Bearbeitung von Grauguss- Zylinderlaufbahnen mit UV-Laser, ermöglichten, dass neue, verschleißund ölverbrauchsarme Verbrennungsmotoren entwickelt und heute bereits in Serie produziert werden. Umwelt- und Ressourcenschonung ist das greifbare Ergebnis dieser Innovation.

Dr. rer. nat. Dipl.-Phys. Ulrich Simon
Dipl.-Phys. Ralf Wolleschensky
Dr. rer. nat. Bernhard Zimmermann
Carl Zeiss Jena GmbH, Jena

fanden ein Verfahren, um stark überlappende Fluoreszenzfarbstoffe eindeutig zu trennen und diese unter einen Laser Scanning Mikroskop so darzustellen, dass sich markierte Zellkomponenten simultan untersuchen lassen. Damit eröffnen sich neuartige Anwendungsansätze in der biomedizinischen Forschung.

Prof. Dr. rer. nat. Dipl.-Ing. Arne Skerra
Dr. rer. nat. Dipl.-Chem. Martin Pöhlchen
Dr. rer. nat. Dipl.-Ing. Steffen Schlehuber
Technische Universität München, Freising-Weihenstephan
PIERIS Proteolab AG, Freising

schufen durch biochemisches Design auf der Grundlage einer bisher wenig beachteten Familie von Lipocalinen neuartige ligandenbindende Proteine. Diese Wirkstoffe bieten eine Alternative zu Antikörpern und begründen vielversprechende medizinische Einsatzmöglichkeiten.

Ziel des Deutschen Zukunftspreises ist es, den Erfindergeist der Forscher und Entwickler zu stärken und gleichzeitig das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung ihrer vorbildlichen Arbeit zu schärfen. Bundespräsident Horst Köhler gratulierte den vier Teams, den Preisträgern und Nominierten und betonte, dass ihre Arbeiten hervorragende Beispiele für sein Anliegen seien, Deutschland als „Land der Ideen“ zu verdeutlichen. Er wünsche und hoffe, dass von ihrem Beispiel Ermutigung und Ansporn für viele ausgehe.
Das ZDF sendet am 12. November 2004 nach dem „heute-journal“ eine Sondersendung zur Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2004 und PHOENIX zeigt die vollständige Preisverleihung ebenfalls am 12. November 2004 um 16.15 Uhr.

Weiteres Material und aktuelle Informationen zum Deutschen Zukunftspreis finden Sie auch unter www.deutscher-zukunftspreis.de

Kontakt: Büro Deutscher Zukunftspreis, Dr. Christiane A. Pudenz,
Telefon 089/ 21 09 61 - 27, Fax – 20, info@deutscher-zukunftspreis.de