11. September 2005 - Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Bundespräsident Horst Köhler zeichnet hervorragende deutsche Wissenschaftler und Entwickler aus

Bundespräsident Horst Köhler hat heute in Berlin den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis 2005 verliehen.
In Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft erhielt das Siegerteam den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation.
Die Jury hatte am Vormittag getagt und den diesjährigen Preisträger aus den vier für die Endauswahl nominierten Teams bestimmt.

Alle Nominierungen belegen die enorme Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Forschung in Deutschland, betonte der Bundespräsident. Bundespräsident Köhler verwies auf die fundamentale Bedeutung von Wissenschaft für die Zukunftssicherung unseres Landes: „Wir müssen Forschung und Entwicklung zu einer wirklichen Priorität machen – und das muss sich auch finanziell niederschlagen. Wir müssen begreifen, dass wir nur dann eine Chance haben, im globalen Wettbewerb zu bestehen, wenn unsere Ideen besser und unsere Produkte innovativer sind.“
Der Bundespräsident unterstrich, dass Innovation heute vor allem an den Schnittstellen verschiedener Disziplinen entstehe. Deswegen sei es so wichtig, die Kooperation zwischen Forschungsbereichen und zwischen der Wirtschaft und der Wissenschaft zu fördern: „Erfolgreiche Forschung verträgt kein Schubladendenken“, so der Bundespräsident.

Den Deutschen Zukunftspreis 2005 – Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation – erhielten:

Dipl.-Ing. Friedrich Boecking (Sprecher)
Dr.-Ing. Klaus Egger
Prof. Dr. rer. nat. Hans Meixner
Robert Bosch GmbH, Stuttgart
Siemens VDO Automotive AG, Regensburg

Für das Projekt:

Piezo-Injektoren: neue Technik für saubere und sparsame Diesel- und Benzinmotoren

Kernkomponente eines Dieselmotors ist das Einspritzsystem. Es besteht aus einer Pumpe, die den Kraftstoff auf ein hohes Druckniveau bringt, und einer Düse, die mithilfe eines Ventils fein dosiert Kraftstoff in den Motorzylinder einschießt. Je höher dabei der Druck und je genauer Dosis und Zeitpunkt des Einspritzens sind, desto effizienter und schadstoffärmer ist die Verbrennung. Die Einspritzdüse ist somit entscheidend für die Motorenqualität.

Das Öffnen und Schließen der Ventile erfolgte bei beiden Systemen bisher meist elektromagnetisch. Die „Piezo-Technik“ ist ein neuer Weg zur Steuerung der Ventile. Wesentlicher Bestandteil des Piezo-Injektors ist ein Aktor, der aus mehreren hundert dünnen Piezo-Keramikschichten besteht und - durch Spannungsimpulse gesteuert - die Einspritzdüse öffnet und schließt. Piezo-Steller haben gegenüber den Stellern mit elektromagnetischem Antrieb prinzipielle Vorteile: Sie sind schneller, haben höhere Stellkraft und erlauben eine kompaktere Bauweise. Durch die hohe Schaltgeschwindigkeit des Piezo-Aktors können die Abstände zwischen den einzelnen Einspritzvorgängen verringert und der Einspritzverlauf kann mit hoher Dosiergenauigkeit flexibel geformt werden.

Bei beiden Einspritzsystemen wird durch den Einsatz des Piezo-Aktors eine weitere Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs und damit der Schadstoffemission erzielt. Die Vorteile der Piezo-Direkteinspritzung sind so überzeugend, dass die am Projekt beteiligten Firmen die Piezo-Technologie demnächst auch bei Direkteinspritzsystemen für Benzinmotoren einsetzen wollen; erste Produkte sind für 2006 geplant.

Mobilität ist eine wesentliche Bedingung industrieller Gesellschaften. Sie bringt allerdings auch einige Probleme mit sich; der Verbrauch an fossilen Brennstoffen und die Umweltbelastung gehören dazu. Mit der Piezo-Direkteinspritzung ist ein weiterer Schritt zu einer erheblichen Minderung dieser Belastungen gelungen, ohne die Ansprüche der Autofahrer hinsichtlich Sicherheit oder Komfort zu beeinträchtigen.

Das Piezo-Injektoren-Projekt weist eine Besonderheit auf: Erstmals wurden Forscher und Entwickler aus zwei Unternehmen, die im Wettbewerb zueinander stehen, als Team nominiert und jetzt mit dem Preis bedacht. Die Preisträger haben jeweils in ihren Unternehmen zusammen mit ihren Mitarbeitern maßgeblich die Entwicklung der Piezo-Einspritztechnik bis hin zur Großserienreife vorangetrieben und damit einen weltweiten Technologievorsprung für deutsche Unternehmen erzielt.

Das Projekt des Siegerteams dokumentiert auch in besonderer Weise die wirtschaftliche Relevanz innovativer Arbeit: 2001, ein Jahr nach Produktionsstart bei Siemens VDO, wurden bereits 500.000 Piezo-Injektoren gefertigt. 2004 produzierten Bosch und Siemens VDO zusammen mehr als drei Millionen Injektoren; 2006 werden es voraussichtlich über 16 Millionen Einheiten sein.

Mit der Herstellung der Injektoren wurden in beiden Unternehmen zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen, weltweit sind dies rund 9.400, davon etwa 6.000 in Deutschland. Zusätzlich entstanden bei mittelständischen Zulieferern und Maschinenherstellern weltweit rund 8.000 Arbeitsplätze, auch diese mehrheitlich in Deutschland.

Nominiert für den Deutschen Zukunftspreis 2005 waren weiterhin nachfolgende Teams. Sie wurden vom Bundespräsidenten für ihre Leistungen mit einer Urkunde ausgezeichnet:

Dr.-Ing. Gerd Heinz (Sprecher)
Dipl.-Ing. (FH) Dirk Döbler
Swen Tilgner
Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI), Berlin

Sie entwickelten mit der akustischen Kamera ein neuartiges System zur Schalllokalisierung und Schalldokumentation. Lärmquellen, die manchmal sogar gesundheitliche Schäden generieren, können - selbst bei sehr großen oder komplexen Geräten – mit der akustischen Kamera eindeutig identifiziert werden. Weiterhin kann mithilfe der Kamera charakteristisches Sound-Design, ein wichtiges Qualitätsmerkmal für besonders hochwertige Produkte, kreiert und qualitätsgesichert umgesetzt werden.

Dr. rer. nat. Hubert Sauter (Sprecher)
Dipl.-Ing. (agr.) Klaus Schelberger
BASF Aktiengesellschaft, Ludwigshafen

Die Forscher entwickelten, ausgehend von einer Substanz des Kiefernzapfenrüblings, ein Fungizid, das nicht nur eine Vielzahl von Pflanzenkrankheiten bekämpft, sondern auch die Vitalität der Pflanzen erheblich erhöht. Dies ist ein innovativer Ansatz, die Qualität und Quantität der landwirtschaftlichen Produktion zu sichern und zu steigern.

Dr. rer. nat. Peter Schardt (Sprecher)
Dr. rer. nat. Karin Söldner
Prof. Dr. Dr. rer. nat. Wolfgang Knüpfer
Siemens Medical Solutions, Erlangen

Sie entwickelten auf Basis eines elementaren Technologiewechsels einen neuen Höchstleistungs-Röntgenstrahler, der eine höchst exakte Darstellung des schlagenden Herzens, von Plaquebildungen oder Aneurysmen ermöglicht. Zudem bringt das neue CT durch schnellere Bildaufnahme bei wesentlich höherer Röntgenleistung lebensrettende Zeitvorteile in der Unfalldiagnostik.

Alle vier Projekte des Deutschen Zukunftspreises 2005 stehen nicht nur für wissenschaftliche Leistung, sondern auch für unternehmerischen Mut und wirtschaftlichen Erfolg. So unterschiedlich sie bisher in ihrer Marktdurchdringung sind, schaffen sie in erheblichem Maße neue Arbeitsplätze – im direkten Umfeld und bei zahlreichen Zulieferern. Auch im internationalen Vergleich belegen sie die Qualität deutscher Technologieprodukte.

Weiteres Material und aktuelle Informationen zum Deutschen Zukunftspreis 2005 finden Sie auch unter www.deutscher-zukunftspreis.de

Fotos von der Übergabe des Deutschen Zukunftspreises 2005 können nach der Preisverleihung beim Bilderdienst des Bundespresseamtes, Telefon: 0 18 88 / 2 72-23 37 angefordert werden.

Informationen und Kontakt: 
Deutscher Zukunftspreis, Dr. Christiane A. Pudenz,
Telefon: 0 89 / 21 09 61-27, Fax: 0 89 / 21 09 61-20
info@deutscher-zukunftspreis.de