23. November 2006 - Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Bundespräsident Horst Köhler hat heute den Deutschen Zukunftspreis 2006 verliehen

10 Jahre Deutscher Zukunftspreis

Bundespräsident Horst Köhler hat heute in Berlin den 10. Deutschen Zukunftspreis verliehen. Im Jubiläumsjahr geht der mit 250.000 Euro dotierte Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation nach Göttingen. Bundespräsident Horst Köhler überreichte ihn Prof. Dr. Stefan W. Hell vom Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, Göttingen. Ausgezeichnet wurde damit sein Projekt „Lichtmikroskopie in ungekannter Schärfe“.

„Solche Ideen sind der Stoff, aus dem die Zukunft unseres Landes ist: Denn im globalen Wettbewerb können wir nur bestehen, wenn wir in Wissen investieren und Innovationen ermöglichen“, sagte der Bundespräsident bei der Preisverleihung. Es komme auf Einfallsreichtum und Gestaltungskraft an, um den Wohlstand zu sichern.

Die nominierten Projekte seien beeindruckende Beispiele für die ganze Bandbreite des Innovationsgeschehens in Deutschland, sagte der Bundespräsident, bevor er den Preisträger 2006 verkündete.

Lichtmikroskopie in ungekannter Schärfe

Professor Stefan Hell hat als Erster einen Weg gefunden, die 130 Jahre alte Abbesche Grenze im Fluoreszenzmikroskop zu überwinden. Das Neue an seinem Verfahren ist, dass die Schärfe nicht mehr durch die Lichtwellenlänge begrenzt ist. Professor Hell ergänzte dazu die Abbesche Formel um einen entscheidenden Wurzelterm, der nun auch molekulare Auflösungen zulässt.

So erzielten Hell und seine Mitarbeiter bereits Auflösungen von 20 Nanometern, also 10fach über Abbes Grenze. Da Proteinkomplexe im Bereich 0,01 bis 0,2 Mikrometer liegen, hat dieses Mikroskop das Potenzial, in die molekulare Skala des Lebens vorzudringen und Krankheiten besser auf die Spur zu kommen. Erste wichtige Erkenntnisse wurden bereits gemacht: So konnte die STED-Mikroskopie einzelne Bläschen mit Nervenbotenstoffen (synaptische Vesikel) auflösen und damit eine wichtige Frage der Neurobiologie klären.

Abbes Beugungsgrenze behindert aber nicht nur den Einblick in die Zelle, sondern auch die Herstellung kleinster elektronischer Schaltkreise. Mit geeigneten schaltbaren Molekülen ließe sich Hells Prinzip umkehren und zum Herstellen feinster Nanostrukturen verwenden. Obwohl das Verfahren vermutlich für Massenspeicher zu langsam wäre, könnte man beliebig kleine Strukturen kundenorientiert anfertigen - und zwar mit sichtbarem Licht.

Die patentierte sogenannte STED-Mikroskopie wurde an die in Wetzlar und Mannheim produzierende Leica Microsystems GmbH lizenziert. Leica entwickelt die STED-Mikroskopie zum marktfähigen Gerät und hat die Markteinführung für 2007 angekündigt. Die Max-Planck-Gesellschaft hat weitere Grundlagenpatente Hells angemeldet und verhandelt über deren Verwertung.

Nominiert für den Deutschen Zukunftspreis 2006 waren weiterhin nachfolgende Teams. Sie wurden vom Bundespräsidenten für ihre Leistungen mit einer Urkunde ausgezeichnet:

Dr. rer. nat. Karin Schütze (Sprecherin)
Dr. rer. nat. Carsten Hoyer
Dr. rer. nat. Yilmaz Niyaz
P.A.L.M. Microlaser Technologies, Bernried

Dr. Karin Schütze hat 1993 gemeinsam mit ihrem Mann, Dr. Raimund Schütze, ein Verfahren zur berührungsfreien Präparation biologischer Proben mit fokussiertem Laserlicht entwickelt. Diese Technologie hat sie mit ihrem Team systematisch präzisiert und in unterschiedliche marktreife Anwendungen umgesetzt.

Dr.-Ing. Jürgen Seekircher (Sprecher)
Prof. Dr.-Ing. habil. Peter M. Knoll
Dipl.-Ing. Manfred Meißner
DaimlerChrysler AG, Sindelfingen Robert Bosch GmbH, Driver Assistent Systems Business Unit, Leonberg

Die drei Nominierten stehen stellvertretend für eine rund 190-köpfige Entwicklungsmannschaft der Projektpartner DaimlerChrysler und Bosch. Sie haben gemeinsam ein bildgebendes System zur Verbesserung der Sicht bei Nacht realisiert, das sich durch ein hohes Unfallvermeidungspotenzial auszeichnet und somit das Autofahren bei Dunkelheit erheblich sicherer macht.

Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Peter A. Tass (Sprecher)
Prof. Dr. med. Volker Sturm
Forschungszentrum Jülich in der Helmholtz-Gemeinschaft Universität zu Köln

Die Innovation der beiden Forscher zeigt neue Wege in der Behandlung schwerer Erkrankungen des Nervensystems wie der Parkinson-Krankheit auf. Sie entwickelten einen neuartigen Hirnschrittmacher, der mit Methoden der statistischen Physik und nichtlinearen Mathematik arbeitet und deutlich schonender und effektiver als bisherige Verfahren den Krankheitsprozessen entgegenwirkt.

Fotos von der Übergabe des Deutschen Zukunftspreises 2006 können unmittelbar nach der Preisverleihung beim Bilderdienst des Bundespresseamtes, Telefon: 0 18 88 / 2 72-23 37, angefordert werden.

Informationen und Kontakt:
Deutscher Zukunftspreis, Dr. Christiane A. Pudenz,
Telefon: 0 89 / 21 09 61-27, Fax: 0 89 / 21 09 61-20
info@deutscher-zukunftspreis.de

Der Deutsche Zukunftspreis - der Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - wird seit 1997 jährlich vergeben. Der mit 250.000 Euro dotierte Preis würdigt Projekte, die ausgehend von exzellenter Forschung zu anwendungs- und damit marktreifen Produkten führen, und ehrt die Menschen hinter diesen Entwicklungen.

Ermöglicht wird der Deutsche Zukunftspreis durch die großzügige Unterstützung von deutschen Unternehmen und Stiftungen:

ALTANA AG, Robert Bosch GmbH, DaimlerChrysler Fonds, Deutsche Telekom Stiftung, Diethelm Höner Stiftung, Heinz Nixdorf Stiftung, Siemens AG, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, ThyssenKrupp AG, Vattenfall Europe AG.