05. August 2008 - Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler beim Besuch der Firma
Osram Opto Semiconductors

Am 6. Dezember konnte ich Ihnen, lieber Herr Dr. Streubel, lieber Herr Dr. Illek, lieber Herr Dr. Bräuer, eine besondere Nikolasüberraschung bereiten: den Deutschen Zukunftspreis 2007. Doch bei diesem eher zeremoniellen Akt will ich es nicht belassen. Mich interessiert, wie genau aus Ihren Ideen ein Erfolg werden konnte, ich will erleben, wie Sie und Ihr Team arbeiten - und ich will wissen, wie sich ein Traditionsunternehmen mit Unterstützung aus der Wissenschaft gewissermaßen selbst neu erfindet. Deswegen bin ich heute hier.

Seit über 100 Jahren werden unter dem Namen Osram Glühlampen hergestellt. Und wer morgens sein Nachttischlämpchen anmacht oder am Abend das Leselicht löscht, könnte meinen: Das geht auch in den nächsten 100 Jahren so weiter. Bei Osram sieht man das anders: Warum sonst wurde das Hightech-Tochterunternehmen Osram Opto Semiconductors 1999 gegründet, warum sonst investiert diese Tochter mehr als 13 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, warum kooperiert sie eng mit Wissenschaftseinrichtungen wie dem Fraunhofer Institut für angewandte Optik und Feinmechanik?

Mehr als 3.000 Patente hat Osram Opto Semiconductors bislang angemeldet - und einige davon stecken in den Leuchtdioden, die ich mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet habe.

Für Hochleistungs-LEDs werden milliardenschwere Marktchancen prognostiziert. Wer sich die sichert, sichert seinem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine leuchtende Zukunft. Dafür aber braucht es die Bereitschaft, zu neuen Ufern aufzubrechen; dafür braucht es die konsequente Konzentration von Mitteln und Menschen auf neue Technologien; kurz: dafür braucht es entschlossenes Engagement für Forschung und Entwicklung.

Das nützt übrigens nicht nur dem Unternehmen selbst. Wir wissen alle: Angesichts der Knappheit und Endlichkeit der Ressourcen und einer wachsenden Zahl von Menschen, die weltweit Teil haben wollen an zivilisatorischen Errungenschaften, müssen wir Energiequellen viel effizienter nutzen. Es gibt Wissenschaftler, die sagen, eine Vervierfachung oder Verfünffachung der Energieeffizienz ist möglich. Ich bin überzeugt: Diese Effizienzrevolution wird kommen und wir Deutschen haben alle Voraussetzungen, dabei Schrittmacher zu sein, zum Vorteil von Arbeit und Einkommen in Deutschland. Und das Preisträgerteam zeigt uns, wie das im speziellen Beispiel aussehen kann: Schon heute sind weiße LEDs etwa fünfmal effizienter als eine Glühbirne - künftig könnte sich dieser Vorteil auf den Faktor Zehn verdoppeln. Was schon jetzt im Alltag mit den LEDs möglich ist, werden wir ja gleich noch sehen - ich bin sehr gespannt.

Am kleinen Beispiel der LED-Technologie zeigt sich: Ideen, die zu Innovationen werden, können das Aussehen und das Funktionieren der Welt verändern - und zwar zum Guten.

Ich wünsche mir eine noch größere Aufgeschlossenheit für Innovationen in Deutschland. Ich wünsche mir mehr Spielfreude, mehr Mut zum vernünftigen Risiko - bei den Forscherinnen und Forschern, aber auch bei denen, die das nötige Kapital bereitstellen, und bei uns allen, den Bürgerinnen und Bürgern. Das Beispiel der Zukunftspreisträger 2007 kann uns helfen, diese Freude am Entdecken wieder zu finden - damit in unserem Land der Ideen möglichst oft möglichst vielen ein Licht aufgeht.