22. September 2009 – Pressemitteilung des Bundespräsidialamtes

Bekanntgabe der Nominierungen zum Deutschen Zukunftspreis 2009

Am 2. Dezember 2009 ist es soweit: Bundespräsident Horst Köhler verleiht in Berlin den 13. Deutschen Zukunftspreis. Der Bundespräsident ehrt mit seinem Preis für Technik und Innovation Menschen, die mit Kreativität, Wissen und Können nach überzeugenden Lösungen für innovative Produkte suchen und so zu Wohlstand und Wohlergehen in unserem Land beitragen.

In einem mehrstufigen Auswahlverfahren hat die hochkarätig besetzte Jury drei Teams für die Endausscheidung ausgewählt; diese wurden heute in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das gesundheitliche Wohl des Menschen steht im Fokus von zwei der drei Nominierungen. Ein neues Medikament und ein innovatives Produkt der Medizintechnik können dazu beitragen, die Lebenserwartung und die Lebensqualität kranker Menschen entscheidend zu verbessern. Eine Antwort auf die mit dem Klimawandel einhergehenden Herausforderungen gibt das dritte nominierte Projekt: Es zeigt, wie man mit intelligenten Materialien in kleinen Schritten viel tun kann für die Ressourcenschonung.

Für alle Beteiligte bleibt es spannend bis zu dem Augenblick, in dem Bundespräsident Horst Köhler am Abend des 2. Dezember den Preisträger bekannt gibt; die Jury entscheidet darüber erst wenige Stunden zuvor. Schon die Nominierung für den Preis aber, daran erinnerte Staatssekretär Dr. Haller auf der Pressekonferenz, sei der eigentliche Ritterschlag für die herausragenden Forscher und Entwickler.

Professor Dr. Günter Stock, Vorsitzender der Jury des Deutschen Zukunftspreises, erläuterte zunächst das hoch kompetitive Nominierungsverfahren: Vorschlagberechtigt sind die führenden deutschen Institutionen aus Wissenschaft und Wirtschaft, deren Präsidenten oder Vorsitzende dem Bundespräsidenten bis zu drei Projekte benennen können. Deren wissenschaftliche Relevanz und formale Übereinstimmung mit den Statuten des Preises wird zunächst bei diesen Institutionen überprüft. In mehreren Sitzungen filtert dann die Jury die Einreichungen und entscheidet sich für drei bis vier Innovationen, die in die Endrunde gelangen. Zielsetzung des Deutschen Zukunftspreises ist es, die Bandbreite aktueller Innovationen aufzuzeigen.

Folgende Teams wurden für den Deutschen Zukunftspreis 2009, den Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation, nominiert:

Dr. med. Frank Misselwitz (Sprecher)
Dr. med. Dagmar Kubitza
Dr. rer. nat. Elisabeth Perzborn

Bayer Schering Pharma AG, Wuppertal

Thrombosen verhindern - eine Tablette kann Leben retten

Die drei Forscher entwickelten zusammen mit ihren Teams ein neuartiges Medikament, das sich durch einen sehr effizienten Wirkmechanismus auszeichnet und in Tablettenform eingenommen werden kann.

Es basiert auf dem Wirkstoff Rivaroxaban und greift gezielt in die biochemischen Abläufe während der Blutgerinnung ein. Damit wird verhindert, dass gefährliche Gerinnsel, Thrombosen, entstehen, die Embolien, Schlaganfälle oder Herzinfarkte hervorrufen und zum Tod der Patienten führen können.

Wesentlich für die Thrombosenbildung ist das Enzym Faktor Xa. Es steuert die Bildung von Thrombin-Molekülen, die Fibrogen zu Fibrin umwandeln. Der Wirkstoff Rivaroxaban hemmt die Aktivität des Faktor-Xa-Enzyms und verringert somit das Thromboserisiko. Wesentlich dabei ist, dass der Wirkstoff die Blutstillung nicht verhindert, so dass der Körper Blutungen, etwa nach einer Operation, weiterhin stoppen kann.

Die bisher für eine Thrombosetherapie gebräuchlichen Medikamente wie Heparin müssen gespritzt werden. Oder sie erfordern eine regelmäßige Laborkontrolle des Patienten und Anpassung der Dosis an seine Lebensweise wie bei Marcumar; zudem tragen sie zum Risiko starker Blutungen bei.

Das neue Medikament ermöglicht eine einfache Anwendung in Tablettenform, die ständige Laborkontrolle der Patienten ist ebenfalls nicht mehr notwendig. Derzeit ist das Medikament unter dem Namen Xarelto® in der EU und anderen Ländern weltweit zur Vorbeugung gegen venöse Thromboseembolien bei geplanten Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen bei erwachsenen Patienten zugelassen. Zulassungen zur Prophylaxe und Behandlung von Thrombosen bei einer Vielzahl anderer Indikationen sollen folgen.

Das Projekt „Thrombosen verhindern - eine Tablette kann Leben retten“ wurde von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften vorgeschlagen.

Dr.-Ing. Hans-Jürgen Wildau
BIOTRONIK SE & Co. KG, Berlin

Botschaften von Herzen – Schrittmacher sendet E-Mail an Arzt

Dr. Hans-Jürgen Wildau verantwortet die Entwicklung einer Technologie, die Kommunikation zwischen Herzschrittmachern oder implantierten Defibrillatoren (ICD) und einer Datenzentrale ermöglicht. Implantate müssen überwacht werden und trotz der Hilfestellung für das Herz kann es beim Patienten zu kurzfristigen Veränderungen oder Folgeerkrankungen kommen. Das festzustellen, war bisher nur durch Arztbesuche möglich.

Zentrales Element des Home-Monitoring-Systems ist eine sehr kleine Antenne, die im Kopf des Herzschrittmachers oder ICD angebracht ist; ihr Energiebedarf ist extrem gering. Dieses Modul erfasst technische Daten und gesundheitliche Werte des Patienten und funkt sie täglich an ein Empfangsgerät, das am Gürtel getragen oder in räumlicher Nähe abgestellt werden kann. Dieses wiederum überträgt die Informationen per Mobilfunk an eine Rechenzentrale, wo eine Software sie auswertet.

Auf einer geschützten Website kann der behandelnde Arzt jederzeit diese Patientendaten einsehen. Registriert das System ungewöhnliche Veränderungen, die auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustands hindeuten, informiert es umgehend per SMS, E-Mail oder Fax den Arzt.

BIOTRONIK Home Monitoring® gibt dem Herzpatienten Sicherheit und senkt Kosten im Gesundheitswesen: Viele Routinebesuche beim Arzt werden überflüssig, während bei Bedarf sofort eine effiziente und zielgerichtete Behandlung möglich ist.

Die Technologie ist in 55 Ländern im Einsatz, mehr als 3.500 Kliniken nutzen aktiv die Fernüberwachung. Künftig soll das System auch zur ständigen Kontrolle des Blutdrucks eingesetzt werden.

„Botschaften von Herzen – Schrittmacher sendet E-Mail an Arzt“ ist eine Einreichung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Prof. Dr. rer. nat. Volker Wittwer (Sprecher)
Dr. rer. nat. Ekkehard Jahns*
Dr.-Ing. Peter Schossig

Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Freiburg
BASF SE, Ludwigshafen*

Mit kleinen Kugeln gegen den Klimawandel – Energieeffizienz mit Komfort durch intelligente Baustoffe

Die Grundlage der von den drei Forschern entwickelten Innovation bilden Latentwärmespeicher oder Phasenwechsel-Materialien (Phase Change Materials, PCM). Der Nutzen dieser Werkstoffe basiert auf einem physikalischen Effekt: Beim Übergang vom festen in den flüssigen Zustand nimmt ein PCM große Mengen an Energie aus der Umgebung auf, ohne sich selbst zu erwärmen. Das geschieht für Kühlanwendungen am besten im Bereich zwischen 21 und 26 Grad Celsius. Latentwärmespeicher verhindern dann, dass sich Räume im Sommer über diesen angenehmen Temperaturbereich hinaus aufheizen. Kühlanlagen, die einen ähnlichen Effekt generieren, benötigen dazu reichlich Strom und tragen so zum globalen Klimawandel bei.

Um Latentwärmespeicher in Baustoffe einzubringen, nutzte das Team ein neues Mikroverkapselungsverfahren; in Form von Paraffinwachs identizifierte es einen geeigneten Latentwärmespeicher. Die Wachströpfchen werden in wenige Mikrometer kleinen Kügelchen aus Acrylglas eingeschlossen. Diese Mikrokapseln lassen sich leicht in Baustoffe wie Mörtel, Gips und Holz integrieren. Bohren, Sägen und Nageln kann ihnen nichts anhaben. Durch ihre insgesamt sehr große Oberfläche bewirken die zahlreichen Speicherkapseln einen raschen Wärmeaustausch. Da sie Wärme, die sie tagsüber aufnehmen, nachts wieder abgeben, dämpfen sie Temperaturschwankungen und schaffen ein ausgeglichenes Raumklima.

2004 brachte die BASF eine erste damit ausgerüstete Gipsbauplatte auf den Markt. 2008 hat das Unternehmen in eine Anlage investiert, in der die kühlenden Mikrokapseln produziert werden.

Der Vorschlag „Mit kleinen Kugeln gegen den Klimawandel – Energieeffizienz mit Komfort durch intelligente Baustoffe“ erfolgte durch die Fraunhofer-Gesellschaft e.V.